Akkreditierte ISO-Zertifikate

Ein akkreditiertes ISO-Zertifikat? Unterschiede, Vorteile und Grenzen im Überblick. Ein akkreditiertes Zertifikat gilt als verlässlicher Nachweis dafür, dass ein Managementsystem unabhängig und nach international anerkannten Regeln geprüft wurde. Vielen Unternehmen ist jedoch nicht bewusst, dass längst nicht jedes ISO-Zertifikat diesen Status trägt. Grundsätzlich darf in Deutschland jede Organisation ein ISO-Zertifikat ausstellen – eine staatliche Zulassung ist dafür nicht zwingend erforderlich. Ob ein Zertifikat tatsächlich aussagekräftig ist, hängt neben dem Akkreditierungsstatus maßgeblich von der Kompetenz der eingesetzten Auditoren und dem Qualitätsanspruch der ausstellenden Zertifizierungsstelle ab.

Dieser Beitrag erklärt, wie die internationale Akkreditierung aufgebaut ist, welche Vor- und Nachteile akkreditierte und nicht akkreditierte Zertifikate mit sich bringen und warum auch Zertifikate von Wirtschaftsprüfern Ihre Berechtigung haben.

Was ist ein akkreditiertes ISO-Zertifikat?

Ein akkreditiertes Zertifikat wird von einer Zertifizierungsstelle ausgestellt, deren fachliche Kompetenz eine nationale Akkreditierungsstelle wie die DAkkS geprüft hat. Die Prüfung erfolgt nach der internationalen Norm ISO/IEC 17021-1 und stellt sicher, dass Audits unparteiisch, kompetent und nachvollziehbar durchgeführt werden. Ein solches Zertifikat trägt stets das Akkreditierungssymbol der zuständigen Stelle und wird international anerkannt.

Die Akkreditierung bewertet dabei nicht das zertifizierte Unternehmen selbst, sondern die Zertifizierungsstelle als Prüfinstanz. Man spricht deshalb von einer doppelten Kontrolle: Die Zertifizierungsstelle prüft das Unternehmen, die Akkreditierungsstelle prüft die Zertifizierungsstelle. Erst dieses Zusammenspiel verleiht einem ISO-Zertifikat seine erhöhte Aussagekraft.

Wie ist die internationale Akkreditierung aufgebaut?

Die DAkkS ist die nationale Akkreditierungsstelle für Deutschland und wird selbst regelmäßig durch sogenannte Peer Evaluations überprüft. Sie ist Mitglied im International Accreditation Forum (IAF) sowie in der European co-operation for Accreditation (EA) und arbeitet zusätzlich mit der International Laboratory Accreditation Cooperation (ILAC) zusammen. Diese Netzwerke sorgen dafür, dass Akkreditierungen weltweit vergleichbar bleiben.

Kernstück ist das IAF Multilateral Agreement (IAF MLA). Unterzeichnende Akkreditierungsstellen verpflichten sich, Zertifikate der von ihnen akkreditierten Stellen gegenseitig anzuerkennen. Das MLA gliedert sich in fünf Ebenen: Ebene 1 legt verbindliche Kriterien für alle Akkreditierungsstellen nach ISO/IEC 17011 fest, die Ebenen 2 und 3 betreffen die Hauptnormen wie ISO 9001 oder ISO/IEC 27001, die Ebenen 4 und 5 spezifische Teilbereiche.

Nur wenn die zuständige Akkreditierungsstelle Unterzeichner des IAF MLA ist, gilt ein Zertifikat auch außerhalb Deutschlands als vollwertig anerkannt. Regelmäßige gegenseitige Begutachtungen zwischen den Akkreditierungsstellen sichern dieses Vertrauen ab. Für Unternehmen bedeutet das: Ein DAkkS-akkreditiertes Zertifikat wird in allen Ländern anerkannt, deren Akkreditierungsstelle ebenfalls Unterzeichner des IAF-Netzwerks ist.

Vorteile und Nachteile eines akkreditierten ISO-Zertifikats

Vorteile: Ein akkreditiertes Zertifikat genießt durch das IAF MLA internationale Anerkennung und wird von Kunden, Banken und Behörden in der Regel ohne Rückfragen akzeptiert. In Ausschreibungen und Lieferketten wird es häufig explizit vorausgesetzt. Zudem unterliegt die ausstellende Zertifizierungsstelle selbst einer unabhängigen, regelmäßigen Überwachung.

Nachteile: Die zusätzliche Aufsicht führt in der Regel zu höheren Kosten als bei nicht akkreditierten Zertifikaten. Verfahren und Zeitpläne sind durch verbindliche IAF-Dokumente stärker reglementiert, was die Flexibilität bei der Terminplanung einschränken kann. Für kleine Unternehmen kann der Aufwand und die Kosten im Verhältnis zum Nutzen daher sehr hoch sein.

Vorteile und Nachteile eines nicht akkreditierten ISO-Zertifikats

Vorteile: Eine nicht akkreditierte Zertifizierung ist oft schneller und günstiger zu erhalten und bietet mehr Flexibilität bei Terminen und Umfang der Audits. Sie kann als sinnvolle Lösung dienen, etwa wenn Kundenanforderungen kein akkreditiertes Zertifikat vorschreiben, Zeit und Kosten eine erhöhte Rolle spiele, oder es für die entsprechende Norm noch keine akkreditierten Stellen gibt.

Nachteile: Ohne Akkreditierung fehlt die unabhängige Aufsicht über die Zertifizierungsstelle selbst. Das Zertifikat wird deshalb am Markt häufig subjektiv mit geringerer Qualität verbunden und von Auftraggebern mit expliziter Akkreditierungsanforderung oft nicht ohne Weiteres akzeptiert. Eine automatische internationale Anerkennung über das IAF MLA entfällt. Die tatsächliche Aussagekraft hängt hier stark von der individuellen Zertifizierungsstelle ab – Unternehmen sollten Referenzen und Qualifikationen deshalb vor Beauftragung prüfen.

Sonderfall: ISO-Zertifikate bzw. Testate von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften

Auch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften stellen Prüfbescheinigungen aus. Wirtschaftsprüfer unterliegen der Aufsicht der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) und prüfen beispielsweise nach Standards wie IDW PS 880 oder ISAE 3000/3402. Diese Testate sind fachlich anspruchsvoll und folgen eigenen, streng geregelten Prüfungsstandards.

Für die DAkkS-Akkreditierung nach ISO/IEC 17021-1 zählt die WPK-Zulassung jedoch nicht. Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die kein eigenständiges Akkreditierungsverfahren bei der DAkkS durchlaufen hat, stellt damit aus Sicht der DAkkS ebenfalls ein nicht akkreditiertes Zertifikat aus – selbst wenn der zugrunde liegende Prüfungsstandard hohe fachliche Qualität sicherstellt. Dennoch stellt die Variante des Wirtschaftsprüfungstestates für viele Unternehmen einen legitimen Mittelweg dar, der einen kundenorientierten Zertifizierungsprozess mit inhaltlicher Qualität und geringeren Kosten verbindet.

Kritik am Akkreditierungssystem

Trotz seiner Vorteile steht das Akkreditierungssystem nicht ohne Kritik da. Ein häufiger Kritikpunkt: Zertifizieren darf in Deutschland grundsätzlich jeder, eine Akkreditierung ist rechtlich nicht verpflichtend. In Kombination mit den hohen Akkreditierungsanforderungen, die viele Zertifizierungsstellen abschrecken, entsteht ein unübersichtlicher Markt, in dem Laien den Unterschied zwischen akkreditierten und nicht akkreditierten Anbietern kaum erkennen können.

Kritiker bemängeln außerdem, dass eine Akkreditierung vor allem den Prüfprozess der Zertifizierungsstelle absichert, aber keine Garantie für die inhaltliche Ausgestaltung eines einzelnen Audits liefert. Die fachlichen und sozialen Kompetenzen des jeweiligen Auditors bleiben entscheidend – unabhängig vom Akkreditierungsstatus der Stelle.

Der größte Kritikpunkt ist der bürokratischen Aufwand und die extremen Kosten einer Akkreditierung: Neue Zertifizierungsstellen durchlaufen ein sehr intensives und damit teures Verfahren, bevor sie akkreditiert werden, was den Marktzugang erschwert und größere, etablierte Anbieter stark begünstigt. Zusätzlich werden dadurch die Kosten für ein Zertifikat in die Höhe getrieben, da die Zertifizierungsstellen direkte und indirekte Akkreditierungskosten weitergeben müssen.

Auch die internationale Harmonisierung gilt nicht überall als vollständig gelungen. Obwohl das IAF MLA eine gegenseitige Anerkennung vorsieht, unterscheiden sich Auslegung und Prüfpraxis einzelner nationaler Akkreditierungsstellen im Detail doch stark. Dadurch tun sich einzelne Länder durch strenge nationalen Akkreditierungsstellen hervor, was derzeit zunehmend zu einem Push-Faktor für eine Akkreditierung im Ausland wird. Dies begünstig seinerseits wiederum die Möglichkeiten großer internationaler Zertifizierungsstellen.

Fazit

Ob ein akkreditiertes oder ein nicht akkreditiertes Zertifikat die richtige Wahl ist, hängt von den Anforderungen der eigenen Kunden, der Ausschreibungen oder dem eigenen Zielmarkt ab. Ein akkreditiertes Zertifikat bietet die höchste internationale Anerkennung und wird durch das IAF MLA weltweit vergleichbar gemacht. Ein nicht akkreditiertes Zertifikat – besonders wenn es von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ausgestellt wird – kann aber in bestimmten Situationen ausreichen und eine gute Alternative bieten. Unternehmen sollten deshalb vor der Wahl der Zertifizierungsstelle klären, welche Form des Zertifikats tatsächlich benötigt wird.

ADVANTA Cert GmbH befindet sich aktuell im Verfahren der Akkreditierung nach ISO/IEC 17021-1 durch die DAkkS und richtet die eigenen Prozesse konsequent an den international gültigen IAF-Vorgaben aus. Derzeit stellt die ADVANTA Cert Ihre Zertifikate mit Hilfe eines Wirtschaftsprüfer aus. Sie möchten wissen, welche Form der Zertifizierung für Ihr Unternehmen sinnvoll ist? Die Mitarbeiter von ADVANTA Cert beraten Sie gerne – nehmen Sie einfach Kontakt auf.

Maximilian Neuber

Maximilian Neuber

Geschäftsführer

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